Nicht jedes Problem mit einer Software ist ein Architekturproblem, und nicht jede Prüfung beantwortet dieselbe Frage. Bevor Sie ein Review beauftragen, lohnt ein Blick darauf, was Sie eigentlich wissen wollen.
Architektur-Review, Code-Analyse oder Sicherheitsprüfung?
| Prüfung | Beantwortet | Beantwortet nicht | Sinnvoll, wenn |
|---|
| Automatisierte Code-Analyse | Wo Regeln verletzt werden, wo Code dupliziert oder sehr komplex ist | Ob die Struktur zu den Anforderungen passt | Ihr Team laufend Qualität messen will |
| Code-Review | Ob eine konkrete Änderung korrekt und verständlich ist | Ob das Gesamtsystem die nächsten Jahre trägt | Änderungen in den Hauptzweig einfließen |
| Sicherheitsprüfung, z. B. Penetrationstest | Welche Schwachstellen ein Angreifer ausnutzen kann | Ob das System änderbar und betreibbar bleibt | Sie Angriffsflächen nachweisen oder schließen müssen |
| Architektur-Review | Ob Struktur, Schnittstellen und Betrieb Ihre Qualitätsziele erreichen können, und was als Nächstes zu tun ist | Jede einzelne Codezeile und jede Schwachstelle | Eine größere Entscheidung ansteht: Vergabe, Migration, Neubau, KI-Integration |
Die Prüfungen ergänzen sich. Ein Review nutzt vorhandene Ergebnisse aus Code-Analyse oder Sicherheitsprüfungen als Eingangsmaterial, ersetzt sie aber nicht. Einen Penetrationstest ersetzt ein Architektur-Review nicht. Zeigt das Review, dass einer nötig ist, halten wir das als Empfehlung fest.
Ohne Qualitätsziele gibt es keinen Maßstab
Ein Review ohne Maßstab bleibt eine Meinung. „Die Architektur ist veraltet“ ist kein Befund, solange niemand sagt, wofür sie nicht mehr reicht. Deshalb formulieren wir Qualitätsziele als Szenarien mit vier Teilen: Auslöser, Umgebung, erwartete Reaktion und Messgröße. Ein Beispiel für Änderbarkeit: „Der Fachbereich braucht ein neues Feld in der Auftragsübersicht. Im Normalbetrieb ist die Änderung innerhalb von fünf Arbeitstagen in Produktion, ohne dass andere Module angepasst werden müssen.“
Solche Szenarien machen Zielkonflikte sichtbar. Wer maximale Verfügbarkeit, minimale Betriebskosten und schnellste Änderungen gleichzeitig will, muss priorisieren. Szenariobasierte Verfahren wie die Architecture Tradeoff Analysis Method (ATAM) des Software Engineering Institute nennen diese Stellen Tradeoff-Punkte. Das vollständige ATAM sieht mehrtägige Bewertungen mit einem großen Kreis von Beteiligten vor. Wir übernehmen die Idee der Szenarien und der Tradeoffs in schlankerer Form, passend zur Größe mittelständischer Systeme.
Typische Fehler bei der Vorbereitung
- Zu breiter Umfang. „Schauen Sie sich mal alles an“ führt zu einer langen Liste ohne Richtung. Besser: eine Leitfrage, etwa „Können wir mit diesem System in die Cloud?“
- Das Review als Schuldfrage. Wenn das Team fürchtet, bewertet zu werden, erfahren Sie die entscheidenden Dinge nicht. Machen Sie vorab klar, dass es um Strukturen und Entscheidungen geht.
- Nur die Entwickler befragen. Betrieb und Fachbereich sehen Folgen der Architektur, die im Code nicht auffallen: Wartezeiten, Ausfälle, Workarounds in Tabellen.
- Kein Entscheider im Abschlussworkshop. Eine Risikoliste ohne jemanden, der Budget und Prioritäten festlegen darf, bleibt ein Dokument.
Nach dem Review: aus Befunden Entscheidungen machen
Planen Sie direkt nach dem Abschlussworkshop einen Termin, in dem Sie die drei wichtigsten Risiken einer verantwortlichen Person und einem Zeitraum zuordnen. Alles Weitere kommt ins Backlog, mit der Risikoliste als Begründung.
Oft steht am Ende die Frage, ob sich das System schrittweise modernisieren lässt oder ob eine Neuentwicklung ehrlicher ist. Die Optionen und Muster dafür beschreiben wir im Beitrag Software modernisieren oder neu entwickeln. Soll das System danach in die Cloud, begleiten wir das in der Legacy-Modernisierung und Cloud-Migration. Steht eine Neuvergabe an, fließen die Qualitätsziele aus dem Review direkt in das Lastenheft für Ihr Software-Projekt ein, sodass Anbieter gegen denselben Maßstab anbieten. Soll ein Sprachmodell eingebunden werden, hilft der Beitrag zu Build oder Buy bei LLM-Lösungen bei der nächsten Entscheidung.
Die Dokumentation muss danach nicht neu erfunden werden. Die frei verfügbare arc42-Vorlage mit ihren zwölf Abschnitten bietet eigene Kapitel für Qualitätsanforderungen, Architekturentscheidungen sowie Risiken und technische Schulden. Führt Ihr Team diese drei Kapitel weiter, kann das nächste Review auf diesem Stand aufsetzen.